Master-Plan II – FU und BSP im Fokus

Hallo zusammen,

in diesem Teil erzähle ich Euch etwas mehr von dem, was ich über die wirtschaftspsychologischen Master-Studiengänge an FU und BSP weiß. Fangen wir an:

Psychologie mit Schwerpunkt: Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie (Freie Universität Berlin)

Über diesen Masterstudiengang weiß ich, dass er recht begehrt ist und bisher praktisch niemand abgesprungen ist. Offenbar wird hier gehalten, was versprochen wird.

Man kann neben einem Pflichtcurriculim 3 aus 5 Modulen auswählen. Praktisch ist, dass man auch „Klinische Psychologie und Gesundheitspsychologie“ belegen und auf Wunsch vertiefen kann, was einem die Möglichkeit bietet, später eine Therapeutenausbildung zu absolvieren.

Über die ganz konkreten Inhalte konnte ich leider nur sehr wenig in Erfahrung bringen (also z.B., welche Theorien in welchem Modul unterrichtet werden, wie die Vorlesungs- und Seminargestaltung ist, ob viel selbst geforscht wird usw.). Sollte ich mehr herausfinden erfahrt Ihr es. Und wenn Ihr etwas wisst: Postet es in die Kommentare. 😉

Zugangsmöglichkeiten: Grundsätzlich habe ich den Eindruck, dass hier versucht wird, ein möglichst faires Zugangsverfahren zu finden, welches sowohl die Leistung in Form von Noten als auch inhaltliche Schwerpunkte berücksichtigt. Eine breite Aufstellung wird durch Bonuspunkte im Auswahlverfahren belohnt. Ebenso berufsbezogene Praktika.

Wenn man vorher nicht im Bachelor Psychologie studiert hat, muss man einige Module nachbelegen; man benötigt 5 ECTS in Wirtschaftspsychologie und/oder Arbeits- und Organisationspsychologie, jeweils 10 in Klinische Psychologie und und Psychologische Diagnostik, sowie 20 ECTS im Bereich Forschungsmethoden und Statistik.

Selbst als Wirtschaftspsychologe kann einem hier noch einiges fehlen, und das Nachbelegen von Kursen wie Diagnostik und Klinische Psychologie ist i.d.R. äußerst problematisch: die Psychologie-Studiengänge sind in aller Regel überfüllt und somit nicht sonderlich offen für Nebenhörer.
Selbst da, wo man Psychologie via Fernstudium studieren kann, kann man diese einzelnen Module nicht buchen (z.B. an der FernUni Hagen). Lediglich an der PFH lässt sich (im Fernstudium) ein Einzelkurs Eignungsdiagnostik für Fortgeschrittene belegen. Abgesehen davon, dass das kein Grundkurs ist und somit nur reicht, um ggf. auf die erforderlichen 10 ECTS aufzustocken, sind die 8ECTS mit 801,- € nicht ganz so günstig zu erlangen. In Berlin kann man zusätzliche Kurse an der MSB belegen, weil diese eine private Hochschule ist. Ob das an anderen privaten Hochschulen, die das Fach Psychologie anbieten, auch geht, müsste man erfragen.

Für einen Wirtschaftspsychologen wäre es am sinnvollsten, sich im Bachelorstudiengang Psychologie im höheren Fachsemester einzuschreiben, indem er sich bisherige Leistungen aus dem psychologischen Bereich dort anerkennen lässt. Dann dürften sich die fehlenden Kurse ohne Probleme nachbelegen lassen.

Wirtschaftspsychologie: Personal- und Organisationsentwicklung (Business School Berlin-Potsdam)

Modell: Vollzeit
Credit Points:
120
Studiengebühren:
590,- €/Monat (Rabatt bei halbjährlicher oder Vollständiger Zahlung)
Dauer:
4 Semester
Studienbeginn:
Wintersemester

Allgemeine Informationen: Da ich an der BSP den Bachelor gemacht und obigen Masterstudiengang dort angefangen habe, kann ich aus erster Hand berichten.
Die BSP war für mich immer ein zweischneidiges Schwert: Inhaltlich war ich im Bachelorstudiengang Wirtschaftspsychologie sehr überzeugt von dem, was da abläuft, aber wie ein Student habe ich mich aufgrund von akuter Unterforderung selten gefühlt.
Allerdings hätte ich woanders das Studium mit Sicherheit geschmissen, da „Psychologie“ heutzutage vor allem Mathematik mit Minimalfragestellungen ist, und der ganzheitliche Blick verloren geht.
Hier ist die BSP durchgängig anders positioniert, es wird konsequent aus der Perspektive der (eher geisteswissenschaftlich-kulturpsychologischen) Morphologischen Psychologie geblickt. Wenn man das mag, ist man bestens bedient. Wenn man das nicht mag, hat man ein Problem.

Was ich nicht fair finde: man erfährt erst im im Laufe des Studiums, wie (eng) die eigentliche Ausrichtung ist. Dass es sich hierbei um eine Nischenschule handelt, die in der Außenwelt wenig bekannt und anerkannt ist, sagt einem niemand, wodurch man sich viele unzufriedene und (vor diesem Hintergrund) unmotivierte Studenten an Bord holt.
Ich selbst bin sehr begeistert von diesem „Gallischen Dorf“, aber es gibt Menschen, die mit der Art, zu denken, nicht gut zurecht kommen oder einfach mehr Mainstream-Kompatibilität wollen. Vielfach machen die Professoren aus obigem Bereich einfach ihr Ding und achten selten auf die Frage, wie die Umwelt darauf reagiert. Z.B. hat man im Bachelor WiPsy keine Eignungsdiagnostik, was einem eine Tätigkeit im Recruiting oft verstellt. Im Master ist diese allerdings Bestandteil des Curriculums.
Zusätzlich behandelt man im Modul „Kulturpsychologie“ eine grundlegende Gesellschaftskritik (durch Max Horkheimer und Theodor Adorno), was sich wohl kein anderer Studiengang in diesem Bereich traut. Es wird sich Zeit zum Nachdenken genommen, die Welt wird infrage gestellt und nicht einfach hingenommen, wie sie ist.
Ein weiteres Plus ist, dass der Professor in Allgemeine und Differenzielle Psychologie die vorgestellten Theorien kritisch reflektiert – selbst jene, die denselben Inhalt schonmal im Psychologie-Studium bulemiegelernt haben, können hier etwas mitnehmen.

Zugangsvoraussetzungen: Im Grunde entscheidet allein das Aufnahmegespräch, aber man sollte schon vorher etwas mit Fachbezug gemacht haben. Ich hatte eine Kommilitonin, die etwas vollkommen anderes gemacht hatte, allerdings merkte man ihr die Leidenschaft für das Fach an – ich finde es gut, dass solche Leute aufgenommen werden. Sie sind bereichernd für den ganzen Kurs und fallen an anderen Hochschulen leider durch das Raster.

Kommt man von BSP/MSB, bezahlt man nur 490 statt 590€ Studiengebühr im Monat. Praktischerweise kann man die 100€ in eine morphologische Beratungsausbildung lohnend investieren (was allerdings i.d.R. nur Leute machen, die vorher schon den Bachelor darin gemacht haben). Wenn man schon an der BSP Wirtschaftspsychologie im Bachelor studiert hat, entfällt auch das Aufnahmegespräch.

Ablauf: Die Vorlesung erfolgt in einer Gruppe von 30 Personen, ist somit also recht überschaubar. In der Regel hat man zwei Blöcke von 2×1,5 Stunden in einem Modul pro Tag. Die Vorlesungszeit pro Woche ist sehr gering: 18,5 Wochenstunden, von Anfang Oktober bis Ende Februar. Meist hat man 1-2 Tage in der Woche frei. Mir persönlich ist das viel zu wenig, aber es gibt Leute, für die das gut so ist – schließlich wollen die Studiengebühren irgendwie aufgebracht werden. Und manche sind einfach gerne faul. 😉
Die Dozenten sind sehr sympathisch, oft auch humorvoll, aber oft merkt man, dass dieser Studiengang noch keine Routine hat (es gibt aktuell vier Kurse). Manchmal ändern sich Modulinhalte; erst kürzlich traf ich zwei Ex-Kommilitonen, die mir erzählen, der Kurs hätte sich beim Studiengangsleiter beschwert. Zum kommenden Semester hin soll sich einiges ändern. Hier liegt der Vorteil einer privaten Hochschule, aber auch die Gefahr: Wenn man unzufrieden ist, hat man sehr gute Möglichkeiten, etwas zu verändern, weil man zahlender Kunde ist. Auf der anderen Seite kann dadurch der Anspruch auch sinken, wenn zu viele Studenten einen auf Mimose machen und wegen jeder Kleinigkeit oder Eigenleistung am Jammern sind.
Man muss zu Hause ohnehin so gut wie gar nichts für die Vorlesung machen, wenn es sich nicht gerade um eine Prüfung während der Vorlesungszeit handelt.
Die Jammerei, die bei vielen Studenten im Bachelor oft entsteht, wenn man mal etwas machen muss, ist im Master praktisch nicht vorhanden, da die Studenten fast alle von anderen Unis kommen und daher das Arbeiten für die Vorlesung gewöhnt sind.

Ein besonderer, m.E. einmaliger Vorteil ist die Möglichkeit, mit nur jeweils einem Jahr zusätzlich auch die Masterabschlüsse in Sport- und Medienpsychologie zu erlangen.

Sonstiges: Es ist ohnehin nicht so leicht, BWLer und Psychologen in einem Kurs zu haben, ohne, dass sich die einen langweilgen oder die anderen überfordert sind. Die gemeinsame Basis ist so gut wie nicht gegeben. Wenn dann noch Studenten dabei sind, die die Morphologie aus dem Bachelor kennen, wird das noch schwerer, aber das gelingt, soweit ich das beurteilen konnte recht gut. Leider gibt es nicht – wie an manch anderen Unis – einen Leitfaden oder Vorkurse, durch die eine gemeinsame Basis sichergestellt wird. Meine Anregung dazu wurde leider abgeschmettert.
[Edit]: Inzwischen gibt es außercurriculare Seminare (allerdings erst während des Studiums), in denen man sich mit der Morphologie vertraut machen kann [Danke, Janis].

Abgebrochen habe ich den Studiengang, weil mir die Finanzierung nicht in ausreichendem Maße gewährt worden war. Wenn ich das Risiko eingegangen wäre, dass mir irgendwann das Geld ausgeht, hätte ich auch weitermachen können, aber da ich das Gefühl hatte, nichts zu lernen, wäre es mir das nicht wert gewesen.

Weiter geht’s im dritten Teil mit den Fernstudiengängen.

Advertisements

Über elassius

Ich bin ein "Endzwanziger" und habe Wirtschaftspsychologie an der Business School Berlin-Potsdam studiert. Die Themen, die mich im Leben besonders beschäftigen, haben stets mit dem "Dazwischen" zu tun, mit dem Erkunden von Grenzen und dem Verbinden von (vermeintlichen) Gegensätzen. In meiner Ausrichtung als Wirtschaftspsychologe spielt zum einen die Morphologische Psychologie eine Rolle, sowie die Systemtheorie. Beide Ansätze führen zu einer Haltung, in der der Berater eher Begleiter als Instrukteur ist - vor allem, weil Letzteres ineffektiv ist. Kernthemen meiner persönlichen Ausrichtung sind v.a. Organisationspsychologie und Führung sowie Coaching. Darüber hinaus beschäftige ich mich viel mit allerlei anderen Themen, v.a. Geschichte, asiatische Philosophie und Kriegskunst, Spiritualität, Musik und vielem mehr.
Dieser Beitrag wurde unter Studium abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s