Master-Plan Teil I – Berlin

Hallo zusammen,

aus aktuellem Anlass mache ich nun etwas, was ich schon eine Weile vorhabe: Masterstudiengänge aufschreiben. Vor einem Jahr (also reichlich spät) fing ich an, systematisch nach Masterstudiengängen in den Bereichen Arbeits- und Organisationspsychologie, Betriebs-, Personal- und Gesundheitspsychologie, Human Resources, Leadership und Personal- und Organisationsentwicklung zu suchen. Das ist eine gewisse Tortur gewesen, und um anderen dieses Schicksal zu ersparen, werde ich im Rahmen mehrer Beiträge die verschiedenen Studiengänge auflisten und diskutieren.

In diesem ersten Teil widme ich mich einer Übersicht aller Masterstudiengänge im Bereich Wirtschaftspsychologie mit den o.g. Schwerpunkten. Wie die Aufzählung schon vermuten lässt, sind die Studiengänge diesbezüglich sehr heterogen, wirklich kein Studiengang gleich dem anderen. Folglich ist die Auswahl entweder sehr leicht (wenn man genau weiß, was man will) oder sehr schwer (wenn diese Grundausrichtung das einzige ist, was man schon genau zu wollen weiß). Ein Grundeindruck, den ich beim einsehen der Studiengangsbeschreibungen fortwährend bekommen habe, ist der von großer Profillosigkeit. Da dies durchweg der Fall ist, obliegt die Forschungstätigkeit zur Verifizierung/Falsifizierung dieses ersten Eindruckes dem Studenten. 😉
Auf jeden Fall aber ist nirgendwo konkret geschildert, welche Inhalte unterrichtet werden, wie die Unterrichtsmethoden sind, wie das Leben eines typischen Studenten der Hochschule XY aussieht.

Aber genug der Vorgeplänkels – gehen wir ans Eingemachte!

Bundesweit gibt nur drei Staatliche Hochschulen, die (im Bachelor) das Fach Wirtschaftspsychologie anbieten, aber allein in Berlin gibt es 9 (!) private: BSP, BiTS, Hochschule Fresenius, EBC, FOM, FHAM, HMWK, Macromedia Hochschule, SRH. Wenn es noch mehr gibt, habe ich sie nicht gefunden. 😉
Bis auf das EBC und die Marcomedia Hochschule bietet jede dieser Hochschulen auch einen Masterstudiengang in Wirtschaftspsychologie an. Weitere Angebote dieses Faches bestehen durch die IPU, die GoBS und die (staatliche) FU Berlin.

Außer IPU, BSP und FU Berlin sind sämtliche Masterstudiengänge an eher wirtschaftsorientierten Hochschulen beheimatet. Die BSP ist inzwischen eine reine Business School, allerdings hatte sie bei der Gründung auch einen starken Einschlag in Richtung Gesundheit und Psychologie, der jetzt an der MSB stattfindet. Das Bachelor-Studium Wirtschaftspsychologie ist dort sehr psychologielastig. Bei der FU ist das Master-Studium ebenfalls sehr psychologielastig und im Fachbereich Erziehungswissenschaften und Psychologie beheimatet.
Die IPU – International Psychoanalytic University – sieht das Ganze natürlich durch die psychodynamische Brille. Das zeigen schon Modultitel wie „Psychoanalyse als Referenztheorie der Beratung und Führung“ oder „Psychosoziale Dynamik in Organisationen“.

Rahmenbedingungen

Bevor ich auf die inhaltlichen Aspekte eingehe, folgt eine Liste der Rahmenbedingungen an den einzelnen Hochschulen. Unter „Zugangsvoraussetzungen“ habe ich nur den „Bachelor“ als Abschluss eingetragen, aber ein Diplom oder Magister ist hier natürlich ebenfalls (mehr als) ausreichend.
Solange nichts anderes dort steht, heißt der Master einfach nur „Wirtschaftspsychologie“

BSP – Business School Berlin Potsdam

Abschluss: Master of Arts (M.A.)
Modell:
Vollzeit
Credit Points (ECTS):
120
Studiengebühren:
590,- €/Monat (Rabatt bei halbjährlicher oder Vollständiger Zahlung und für interne Bachelor-Absolventen)
Dauer:
4 Semester
Studienbeginn:
Wintersemester (Sommersemester geplant)
Praktikum:
1/2 Semester
Auslandsaufenthalt:
Nein (ggf. im Praktikum)
Zugangsvoraussetzungen: Bachelor-Abschluss (fachbezogen, Ausnahmen möglich), Aufnahmegespräch
Schwerpunkte: Personal- und Organisationsentwicklung
Speziell: Die Hochschule hat sonst eine sehr tiefenpsychologische Ausrichtung (Morphologische Psychologie/Kulturpsychologie), die hier auch besteht, wenngleich sie weniger als in anderen Studiengängen zum Tragen kommt
Speziell: Mit nur jeweils einem Jahr zusätzlich ist es möglich, Master-Abschlüsse in Medienpsychologie und Sportpsychologie zu erwerben; parallel zum Studium oder unabhängig davon lässt sich eine Beratungsausbildung „Morphologische Intensivberatung“ absolvieren, deren Abschlussarbeit gleichzeitig die Masterthesis sein kann

FHAM – Hochschule für Angewandtes Management

Abschluss: Master of Arts (M.A.)
Modell: Vollzeit/Teilzeit
Credit Points (ECTS):
90
Studiengebühren:
395€/Monat, 290€ Einschreibung, 250€ einmalige Prüfungsgebühr
Dauer:
3 Semester (VZ), 6 Semester (TZ)
Studienbeginn:
Wintersemester
Praktikum:
Optional (siehe unten)
Auslandsaufenthalt:
Nein
Zugangsvoraussetzungen:
fachgleicher Bachelor-Abschluss mit 210 ECTS, bei mehr als 180 aber weniger als 210 besteht die Möglichkeit, diese Punkte durch ein Praxissemester oder zusätzliche Lehrveranstaltungen zu erlangen. Ebenso müssen bei fachähnlichen Studienängen ausgewählte Vorkurse belegt werden
Schwerpunkte (nach Wahl): Markt- und Werbepsychologie, Leadership und Change Management, Business Coaching und Beratung

FOM Hochschule – Fachhochschule für Oekonomie und Management

Abschluss: Master of Science (M.Sc.)
Modell: Vollzeit und berufsbegleitend
Credit Points (ECTS):
120
Studiengebühren:
395€/Monat, 1580€ bei Studienbeginn, einmalug 350€ Prüfungsgebühr (bei Studienende)
Dauer:
4 Semester
Studienbeginn:
Wintersemester/Sommersemester (September und März)
Praktikum:
Nein, aber Praxisprojekt
Auslandsaufenthalt:
Nein
Zugangsvoraussetzungen:
Bachelor-Abschluss mit60ECTS wirtschaftswissenschaftlichem Anteil oder anderthalb Jahre einschlägige Berufserfahrung, Nachweis über aktuelle berufliche Tätigkeit
Schwerpunkte (nach Wahl):
Personalentwicklung, Organisationsgestaltung, Werbung und Kommunikation
Speziell:
Vorlesungszeiten sind in der Regel alle zwei Wochen an einem Abend unter der Woche von 18:00–21:15Uhr sowie in der gleichen Woche Freitag von 18:00–21:15Uhr und Samstag von 08:30–17:00Uhr


FU Berlin – Freie Universität Berlin

Abschluss: Master of Science (M.Sc.)
Name des Studiengangs: „Psychologie mit Schwerpunkt: Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie“
Modell: Vollzeit
Credit Points (ECTS):
120
Studiengebühren:
Nein (aber ~ 300€ Semestergebühren)
Dauer:
4 Semester
Studienbeginn:
Wintersemester (Höhere Fachsemester auch zum Sommersemester, mind. 20 ECTS aus bisherigen Master-Leistungen müssen anzurechnen sein)
Praktikum:
1/2 Semester
Auslandsaufenthalt:
Nein
Zugangsvoraussetzungen:
Bachelor-Abschluss im Fach Psychologie oder gleichwertig mit mind. 6 Semestern Psychologie, Spezielle Modulleistungen im Erststudium, Auswahlverfahren via NC + Zusatzleistungen
Schwerpunkt:
Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie
Speziell:
Die Wahl des Moduls „Klinische Psychologie und Gesundheitspsychologie“ ermöglicht den Zugang zur Therapeutenausbildung im Anschluss


GoBS – German open Business School

Abschluss: Master of Arts (M.A.)
Modell: Vollzeit und berufsbegleitend
Credit Points (ECTS):
120
Studiengebühren:
395€/Monat (zusätzliche Gebühren wahrscheinlich wie bei FOM, weil selber Träger)
Dauer:
4 Semester
Studienbeginn:
Wintersemester/Sommersemester
Praktikum:
Nein
Auslandsaufenthalt:
Nein
Zugangsvoraussetzungen:
Bachelor-Abschluss und zweijährige Berufserfahrung
Schwerpunkte (nach Wahl):
Arbeits- und Organisationspsychologie, Mediation und Verhandlungsführung, Marketing- und Konsumentenpsychologie
Speziell:
Wird demnächst an die FOM angegliedert
IPU – International Psychoanalytic University

Abschluss: Master of Arts (M.A.)
Name des Studiengangs: Organizational Studies
Modell: Berufsbeleitend
Credit Points (ECTS):
120
Studiengebühren:
700€/Monat oder 4000€/Semester oder 22.000€/Einmalig zu Beginn, zzgl. Kosten für Lehrsupervision, Unterbringung, Verpflegung, Reisekosten
Dauer:
6 Semester
Studienbeginn:
Wintersemester/Sommersemester
Praktikum:
Nein (weil berufsbegleitend)
Auslandsaufenthalt:
Nein
Zugangsvoraussetzungen:
Bachelor-Abschluss und einjährige Berufserfahrung, aktuelle Berufstätigkeit, Motivationsschreiben, Zulassungsgespräch
Schwerpunkte:
Psychoanalyse/Psychodynamik und Beratung
Speziell:
Vorlesungen an vier Blockwochenenden im Monat, Zertifizierung nach den Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Supervision (DGSv) inklusive, Teilnahme an Mentoringprogramm möglich

 

HMKW – Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft

Abschluss: Master of Arts (M.A.)
Modell: Vollzeit
Credit Points (ECTS):
120
Studiengebühren:
670€/Monat
Dauer:
4 Semester (bei 210 ECTS ggf. Verkürzung möglich)
Studienbeginn:
Wintersemester/Sommersemester
Praktikum:
n.a.
Auslandsaufenthalt:
n.a.
Zugangsvoraussetzungen:
Allgemeiner oder spezieller Bachelor-Abschluss in Psychologie mit Note „Sehr gut“, alternativ anderes wirtschafts- oder sozialwissenschaftliches Studium mit mind. 20 ECTS psychologischen und 10 ECTS statistisch/methodischen Fächern, Zulassungsgespräch
Schwerpunkte (nach Wahl):
Derzeit nicht im Internet ersichtlich. Es werden Themen wie „Organisationspsychologie“, „Marketing-Psychologie und Marktforschung“, „HR- und Organisationsmanagement“ genannt, allerdings sind die Wahlmodule in anderen Bereichen
Speziell: Alles sieht sehr unfertig aus: anstelle eines Curriculums sind nur vage Modulandeutungen mit dem Zusatz „Beispielhaft“ vorzufinden, die sich eher auf „Themen“ beziehen. Diese Themen sind in unterschiedlichen Abschnitten der Website uneinheitlich niedergeschrieben und das Telefon ist (zumindest nach 18Uhr) vollkommen tot (kein Freizeichen)

Hochschule Fresenius

Abschluss: Master of Arts (M.A.)
Name des Studiengangs: Business Psychology
Modell: Vollzeit
Credit Points (ECTS):
120
Studiengebühren:
675€/Monat
Dauer:
4 Semester
Studienbeginn:
Wintersemester/Sommersemester
Praktikum:
Nein
Auslandsaufenthalt:
Nein
Zugangsvoraussetzungen:
Bachelor-Abschluss mit Note „gut“, Spezielle Modulleistungen im Erststudium, Empfehlungsschreiben (interne Studenten), Auswahlgespräch (externe Studenten)
Schwerpunkte:
Konsumentenpsychologie und Marketing Management, Organisationspsychologie und Human Resources

SRH Hochschule Berlin

Abschluss: Master of Science (M.Sc.)
Modell: Vollzeit
Credit Points (ECTS):
120
Studiengebühren:
780€/Monat
Dauer:
4 Semester
Studienbeginn:
Wintersemester/Sommersemester
Praktikum:
Nein
Auslandsaufenthalt:
Nein
Zugangsvoraussetzungen:
Bachelor-Abschluss, Spezielle Modulleistungen im Erststudium, Empfehlungsschreiben (interne Studenten), Auswahlgespräch (externe Studenten)
Schwerpunkt:
Personalmanagement und Personalpsychologie

 

Nochmal eine kurze Übersicht: An folgenden Hochschulen ist der Studiengang bereits auf Arbeits-, Betriebs- Personal- und/oder Organisationspsychologie spezialisiert: BSP, FU Berlin, IPU, SRH.

An folgenden Hochschulen wählt man während des Studiums eine fachliche Spezialisierung (z.B. Arbeits- und Organisations-Psychologie, Beratung und Coaching, Markt- und Medienpsychologie): FHAM, FOM, Hochschule Fresenius, GoBS, HMKW.

Trotz des eines nicht-wählbaren Schwerpunktes kann es dennoch möglich sein, (größere oder kleinere) Studenleistungen aus einem Angebot verschiedener Module zu wählen.

Tendenziell gilt die naheliegende Faustregel, dass die fachspezifischen Inhalte dort mehr Anteil am Lernumfang haben, wo die Spezialisierung von vornherein gesetzt ist. Ob dadurch die fachliche Qualifikation in den entsprechenden Bereichen tatsächlich höher ist, vermag ich schwer zu beurteilen. Ich würde allerdings eher zu einem „Nein“ tendieren. An der BSP z.B. werden andere Spezialisierungen in Form anderer Studiengänge angeboten, die aber (immerhin) zu 50% mit dem Wirtschaftspsychologie-Master für Personal- und Organisationsentwicklung übereinstimmen (weitere 25% Ähnlichkeit entfallen auf das Praktikum und die Abschlussarbeit). Außerdem könnte man die Frage stellen, ob sich die im Voraus spezialisierten Studiengänge nicht ebenso in eine andere Richtung anpassen ließen, würde man ein paar Module austauschen.
Bei der SRH würde ich mit meiner Antwort auf diese Frage zu einem klaren „Ja“ tendieren, bei IPU und FU Berlin eher zu einem „Nein“.

Wie gesagt, muten die Curricula sehr heterogen an. Außer „Forschungsmethoden“ und Master-Thesis – also wirklich den kleinsten gemeinsamen Nenner – wüsste ich nichts, was wenigstens annährend überall auftaucht. Aus den Modulnamen lässt sich ohnehin selten schließen, was darin wirklich unterrichtet wird (welche Theorie, welche Unterrichtsmethoden etc.). Von der BSP her weiß ich, dass manche Schwerpunkttheorien eines ganzes Studienganges mitunter gar nicht im Curriculum auftauchen, deshalb bleibt einem nicht viel anderes übrig, als sich direkt mit den Studiengangsleitern, noch besser mit den Dozenten zu unterhalten.

Man kann sich zumindest vorstellen, dass an Hochschulen, in denen man möglichst viele kleine Module á 2-4 ECTS hat, vorstellen, dass man sehr gehetzt im Studium sein wird. Dahinter steht vermutlich der Gedanke „Leisten, Leisten, Leisten“ und die Vorstellung von Seiten der Hochschule, dass man möglichst viel Wissen in die Studenten hineinquetschen muss. Auf der einen Seite hat man als Absolvent damit gute Karten in großen Unternehmen, allerdings oft sehr schlechte für die persönliche Entwicklung (bzw. wenig Freiheit, diese selbst zu gestalten). Den „hetzenden“ Curricula lassen sich durch die vielen Modulnamen zumindest mehr Informationen über die Themenwahl der Lehrinhalte entnehmen.
Das IPU hat sich als einzige Hochschule die Mühe gemacht, im Internet für jedes Modul eine Beschreibung sichtbar zu machen.

Sodann, das war’s für heute. Ich hoffe, Euch damit einen sinnvollen Überblick für die Möglichkeiten gegeben zu haben, in Berlin ein Masterstudium in Wirtschaftspsychologie anzufangen.

Im zweiten Teil erzähle ich Euch ein wenig von meinen Erfahrungen mit der BSP und verrate Euch ein paar Dinge, die ich bei meiner Suche über den Masterstudiengang an der Freien Universität in Berlin herausgefunden habe.

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Über elassius

Ich bin ein "Endzwanziger" und habe Wirtschaftspsychologie an der Business School Berlin-Potsdam studiert. Die Themen, die mich im Leben besonders beschäftigen, haben stets mit dem "Dazwischen" zu tun, mit dem Erkunden von Grenzen und dem Verbinden von (vermeintlichen) Gegensätzen. In meiner Ausrichtung als Wirtschaftspsychologe spielt zum einen die Morphologische Psychologie eine Rolle, sowie die Systemtheorie. Beide Ansätze führen zu einer Haltung, in der der Berater eher Begleiter als Instrukteur ist - vor allem, weil Letzteres ineffektiv ist. Kernthemen meiner persönlichen Ausrichtung sind v.a. Organisationspsychologie und Führung sowie Coaching. Darüber hinaus beschäftige ich mich viel mit allerlei anderen Themen, v.a. Geschichte, asiatische Philosophie und Kriegskunst, Spiritualität, Musik und vielem mehr.
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