Master-Studium

Nun habe ich mein Masterstudium angefangen.

Eigentlich sollte es ja „Systems Thinking in Practice“ an der der englischen Fernuni „Open University“ werden. Ein wesentlicher Grund, warum ich nun an meiner bisherigen Hochschule bleibe, ist denkbar banal:

Ich hatte eine schnelle Entscheidung zu treffen, und die Organisationsstruktur der Open University lässt keine schnellen Entscheidungen zu. Der Kundenservice beantwortet Fragen normalerweise nicht und benötigt selbst dafür mehrere Tage, und auch die einfachsten Grundfunktionen der Registrierung auf der Website funktionieren nicht. Was mit wenigen Klicks auf jeder normalen Website zu bewerkstelligen ist, erfordert bei einer Universität mit weltweit mehr als 100.000 Studenten ein halbstündiges Telephonat nach England. Da ich das Studium über einen Bildungsträger finanziere, der auch noch seine Bearbeitungszeit hat, ist es mit der Registrierung nicht getan.

Parallel dazu hielt mich der Betreuer meiner Bachelor-Arbeit dazu an, doch an der Hochschule zu bleiben. Es gab noch einen freien Platz im Masterstudiengang für Personal- und Organisationsentwicklung, und durch mein gutes Verhältnis zur Hochschulleitung wurde mir dieser Platz reserviert. Ich konnte in der ersten Studienwoche Gasthörer spielen und mich danach entscheiden.

Nachdem ich mich nun über das Studium hinaus der fachlichen Unterstützung durch einen meiner Professoren versichert habe, war die Entscheidung definitiv getroffen. Alles machte es sehr viel einfacher, zu bleiben, wo ich bin, aber ob das per sé so gut ist?

Das schmerzt auch irgendwo. Ich fühle deutlich, dass mir mit dem Studium an der OU etwas verloren gegangen ist, im Grunde ein ganzer Lebensentwurf: zu Hause zu studieren, im eigenen Tempo, auf mich selbst gestellt sein. Das hätte ich durchaus gebraucht. So sitze ich wieder ewig in Vorlesungen, in denen ich mir durch das Arrangement immer so stillgelegt und unmündig vorkomme.

Kleines Trostpflaster: das Masterstudium beginnt anspruchsvoller, mehrere Prüfungen stehen recht früh an, es ist mehr stoffliche Auseinandersetzung gefordert, und viel Material der Open University steht kostenlos online, auch einies im systemischen Bereich. Außerdem läuft mir das Studium selbst nicht weg, da ich es als Fernstudium jederzeit belegen kann.

Nur auf dieses Freiheitsgefühl während des Studiums werde ich verzichten müssen – und alles, was sich mit dieser Freiheit bewerkstelligen ließe. In der Vorlesungszeit kann ich nicht mal eben 2 Wochen fehlen, um eine Unternehmensanalyse vorzunehmen – oder zumindest nicht mehr als einmal pro Semester.

Somit bleibt der schale Geschmack, die Sicherheit statt dem Abenteuer gewählt zu haben, was einfach ein wenig mehr Einsatz zum Aufbruch gefordert hätte.
Wenn ich wirklich gewollt hätte, hätte das mit dem Studium an der OU sicher geklappt. Trotz all dem Wohlwollen, das mir an meiner alten und neuen Hochschule entgegengebracht wird, und auch, wenn ich bedenke, wie gerne ich dort vor allem mit dem Lehr- und Hochschulpersonal zu tun habe, so fehlt nun einfach diese eigenständige, unabhängige Erfahrung in meinem Leben.

Damit muss ich jetzt wohl leben.

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Über elassius

Ich bin ein "Endzwanziger" und habe Wirtschaftspsychologie an der Business School Berlin-Potsdam studiert. Die Themen, die mich im Leben besonders beschäftigen, haben stets mit dem "Dazwischen" zu tun, mit dem Erkunden von Grenzen und dem Verbinden von (vermeintlichen) Gegensätzen. In meiner Ausrichtung als Wirtschaftspsychologe spielt zum einen die Morphologische Psychologie eine Rolle, sowie die Systemtheorie. Beide Ansätze führen zu einer Haltung, in der der Berater eher Begleiter als Instrukteur ist - vor allem, weil Letzteres ineffektiv ist. Kernthemen meiner persönlichen Ausrichtung sind v.a. Organisationspsychologie und Führung sowie Coaching. Darüber hinaus beschäftige ich mich viel mit allerlei anderen Themen, v.a. Geschichte, asiatische Philosophie und Kriegskunst, Spiritualität, Musik und vielem mehr.
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