Momentaufnahme (2)

Hallo zusammen,

mal wieder geht eine längere Zeit der Stille zu Ende. Viel ist passiert in den letzten Monaten, von Job- und Wohnungssuche über Prüfungen, zwischenmenschliche Probleme, Literatur und sogar einem Seminar während der Prüfungszeit. Inzwischen hat mein 5. Semester an der Business School Berlin Potsdam begonnen, und ich hoffe, trotz alldem, was jetzt schon ansteht, wieder mehr Zeit für’s Bloggen zu finden.

Heute gebe ich einen kleinen Einblick in das, was mich das Schreiben vernachlässigen ließ. Es mag zunächst nicht so aussehen, aber im Grunde ist das hier eine sehr psychologische Angelegenheit. Sie beruht nicht auf Theorien oder ähnlichem, aber durch die Selbstreflexion – auch die anderer Menschen – bekommt man ein Gespür für das, was in der Seele ablaufen und sich entwickeln kann. Insofern: viel Spaß beim Bilden! 😉
Zunächst ist wieder ein gewisses Maß an Bodenständigkeit eingekehrt. Wenn ich mir meine letzten Artikel durchlese, so stelle ich fest, dass sie sehr überheblich wirken. Wenngleich die grundsätzliche Kritik sinnvoll ist, so würde ich sie jetzt in völlig andere Worte fassen. Ich lasse das jetzt aber so stehen, immerhin ist das hier die Dokumentation einer Entwicklung.

Die Veränderung in meiner Haltung unter anderem damit zusammen, dass ich ein Seminar in Spiral Dynamics besucht habe, wo ich auf Menschen getroffen bin, die mir vieles voraus haben und von denen ich viel lernen kann, und die außerdem bereits erfolgreich in einer Branche oder auf eine Art arbeiten, die für mich von Belang ist. Außerdem wurde dort mein Input geschätzt, auch von Führungskräften eines großen Konzerns, die mehrere 100 Leute leiten – das ist auch eine sehr ermutigende Erfahrung.

Da ich mich in den Vorlesungen und Diskussionen durchgängig als sehr aktiv erlebe, fehlt mir oft der Widerstand, der mich auf den Boden der Tatsachen holt und der mir zeigt, dass es noch sehr viel mehr als das gibt, womit ich mich gerade beschäftige – und so viele Menschen, die mir etwas voraus haben.

Außerdem ist mir klar geworden, dass mein negatives Bild von den Menschen in der von mir anvisierten Branche meinen Zielen sehr hinderlich ist. So richtig weiß ich auch noch nicht, wie ich damit zukünftig umgehe, aber durch Reflexionen wie dieser, ob geschrieben oder nicht, gelingt es mir, meinen bisherigen Standpunkt stark zu relativieren.

Bisher sind es oft Extreme, die mein Verhältnis zu anderen Menschen (im Bereich Wirtschaft, Studium etc.) charakterisieren: wenn jemand viel weiß, viel sieht, mir viel voraus hat, bin ich extrem dankbar für seine Gegenwart und sehr wissbegierig und lernwillig, und ich empfinde solche Menschen als sehr positiv. Wenn ich aber den Eindruck habe, dass jemand, der sich in ähnlicher Weise wie ich betätigen will oder das tut, es ihm allerdings stark an Hintergrundwissen mangelt, welches für mich unverzichtbar ist, so sinkt diese Person stark in meiner Gunst. Wenn sie interessiert ist, ist das weniger der Fall, aber jemand, der desinteressiert wirkt, ist für mich kein Blick wert. Wenn ich aber länger hinschaue, so merke ich hin und wieder, dass an so mancher Person doch viel mehr dran ist, als ich zunächst vermutet hatte. Meine Kriterien sind hier derzeit offenbar nicht immer zielführend.

Ein weiterer Faktor meiner Persönlichkeitsentwicklung ist der Umstand, dass ich von 4 Noten in diesem Semester 3×1,0 und 1×1,7 habe. Die Noten fallen bei uns generell recht gut aus, aber für mich ist das insofern von Belang, als dass ich in den ersten beiden Semestern beständig schlechter als andere abgeschnitten habe (wenngleich immernoch sehr gut), obwohl ich den Eindruck hatte, meinen Kommilitonen alles andere als unterlegen zu sein. Die Tatsache, dass ich in jeder Vorlesung extrem engagiert bin, fördert dieses Bild zusätzlich. Wenn dann die Prüfungsergebnisse schlechter ausfallen, befördert das den Frust zusätzlich, den ich ohnehin schon so oft erlebe, weil es angepasste, aber wenige kompetente Menschen es in Bezug auf Jobsuche etc. weiter zu als ich zu bringen scheinen. Schlechtere Prüfungsnoten wirken dann umso mehr wie eine Verzerrung, die ich als ungerecht empfinde, da der 120%ige Einsatz in der Vorlesung zu 0% in die Note eingeht (und es auch nicht darf, laut Bologna).

Die Erfahrung, die Prüfungen ebenfalls an der Leistungsspitze abzuschließen, z.T. unter Umständen, die mich über die Note hinaus sehr bestärken, sorgt in mir für ein inneres Gleichgewicht – Leistung kann sich also lohnen. 😉

Was mir zusätzlich noch sehr geholfen hat, war der Prüfungsstress und die Art der Bewältigung: Nach den Vorlesungen kamen ersteinmal eine Reihe seelischer Themen hoch, wodurch die Prüfungsvorbereitung sich stark nach hinten verlagerte. Bevor es nicht unbedingt notwendig ist, streikt etwas in mir dann bei der Wissensaufnahme etc., erst recht, wenn die zu verarbeitenden Themen so heftig sind. Das war auch vor allem in den ersten beiden Semestern während der Prüfungsphase ein Problem. Ich halte es für wichtig, das zu schildern, da viele Menschen sich so einen Zustand, bzw. überhaupt die Existenz dessen, gar nicht vorstellen können.

Ich hatte also wenig Zeit und Nerven für die Prüfungsvorbereitung, doch genau das hat mir gezeigt, dass ich auch hiermit gut umgehen kann. Personalpsychologie wurde Opfer meines Desinteresses an der Herangehensweise, da wir nur Personalmanagement-Inhalte hatten, also entfiel hier die 1,7. Für die Vorbereitung auf Medienpsychologie hatte ich ca. 2 Stunden auf 2 Tage verteilt, aber ich bin in der Thematik offenbar dermaßen sattelfest, dass die Prüfung perfekt verlief. Es handelte sich um ein angenehmes, entspanntes Gespräch mit meinen Dozenten, was ich auch gerne noch länger ausgedehnt hätte – solche Prüfungen hätte ich gerne öfter. =)

Grundlagen der Organisation wurde während des einwöchigen Seminars geprüft, also entfiel das Lernen auf die Abende nach einem 9-18Uhr-Tag voller englischsprachigem Input. Hier war „Bulemielernen“ angesagt, allerdings verlangten die Prüfer anspruchsvollere Transferaufgaben – was das Prüfungsergebnis umso wertvoller machte. Auch hier war die Prüfung trotz des Anspruchs sehr locker und angenehm, da die Prüfer es waren. Sie haben etwas herumgescherzt, und ich konnte sogar während der Prüfung darauf einsteigen. Wenn ich vor den Dozenten stehe und mit ihnen interagiere, fällt mir die Prüfung extrem leicht, stelle ich fest.

Nach dem Seminar wollte dann noch eine Hausarbeit bis Terminabgabe geschrieben werden, was mir auch in knapp 12 Stunden gelang. Wie die Note sein wird, erfahre ich noch, aber allein die Bewältigung all dessen, noch dazu alles Dinge, für die ich große Leidenschaft hege, ist eine großartige Erfahrung, die ich nicht missen möchte!

Das sind zunächst die (Zwischen-)Ergebnisse des seelischen Prozesses, in dem ich mich gerade befinde, und der viel Energie in Anspruch nahm und weiterhin nimmt. Es passierte noch wesentlich mehr in Bezug auf andere Dinge, darunter so „selbstverständliche Probleme“ wie Trennungsverarbeitung und die Begegnung mit den eigenen Schatten. Ich habe aber das Gefühl, dass das an dieser Stelle zu weit führt.

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Über elassius

Ich bin ein "Endzwanziger" und habe Wirtschaftspsychologie an der Business School Berlin-Potsdam studiert. Die Themen, die mich im Leben besonders beschäftigen, haben stets mit dem "Dazwischen" zu tun, mit dem Erkunden von Grenzen und dem Verbinden von (vermeintlichen) Gegensätzen. In meiner Ausrichtung als Wirtschaftspsychologe spielt zum einen die Morphologische Psychologie eine Rolle, sowie die Systemtheorie. Beide Ansätze führen zu einer Haltung, in der der Berater eher Begleiter als Instrukteur ist - vor allem, weil Letzteres ineffektiv ist. Kernthemen meiner persönlichen Ausrichtung sind v.a. Organisationspsychologie und Führung sowie Coaching. Darüber hinaus beschäftige ich mich viel mit allerlei anderen Themen, v.a. Geschichte, asiatische Philosophie und Kriegskunst, Spiritualität, Musik und vielem mehr.
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