Was ist Wirtschaftspsychologie? (1)

Hallo Reisende,

heute werde ich – überfälligerweise – mich der Frage widmen, was Wirtschaftspsychologie ist. Um nicht in wissenschaftliche Diskurse auszuufern, werde mich hierbei auf eine laienverständliche, nicht streng akribisch-wissenschaftliche Definition fokussieren.

Im Wesentlichen lässt sich sagen, dass Psychologie die Wissenschaft vom Erleben und Verhalten des Menschen ist. Es gibt verschiedene Ausformulierungen dieses Inhaltes, aber im Wesentlichen läuft es auf das Obige hinaus.

Die Wirtschaft wiederum ist im Wesentlichen das System zur Allokation – also Verteilung – von Ressourcen und Produkten, man könnte sagen, von Gütern im Allgemeinen. Hierbei ist auch Arbeit als ein Gut anzusehen.

Die Wirtschaftspsychologie befasst sich folglich mit dem menschlichen Erleben und Verhalten in wirtschaftlichen Kontexten, bzw. „(…)in Bezug auf wirtschaftliche Fragestellungen“ (um die noch etwas präzisere Definition meines Studiengangsleiters zu verwenden).

Nun beinhaltet die Wirtschaft ein sehr breites Spektrum an Tätigkeiten, und überall dort, wo Menschen einer Tätigkeit nachgehen, ist deren Erleben und Verhalten auch ein Anlass für diesbezügliche Fragestellungen

Die klassischen Felder der Wirtschaftspsychologie sind grob in zwei Spektren zu gliedern (zumindest gliedere ich sie so): eine davon ist – aus Sicht eines Unternehmens – vor allem nach außen gerichtet und umfasst Markt-, Werbe- und Konsumpsychologie.

Die mehr nach innen gerichteten Tätigkeitsfelder der Wirtschaftspsychologie umfassen Arbeits-, Personal- und Organisationspsychologie. Wie auch die 3 Felder der nach außen gerichteten Felder, hängen sie recht eng miteinander zusammen, da eine Organisation nur vor dem Hintergrund arbeitender Personen notwendig ist, bzw. Arbeit stets von Menschen getan wird, deren Zusammenarbeit organisiert wird (das kann man jetzt auch beliebig weiter umstellen).

Weitere Felder, die für den Bereich Wirtschaft äußerst relevant sind, sind vor allem die Gesundheitspsychologie und aus meiner Sicht auch die Architekturpsychologie. Letzteres merke ich z.B. anhand meines Hochschulgebäudes, der Siemens-Villa in Berlin Lankwitz, bzw. vorher der Villa Henkel: in einem historischen, gehobenen Umfeld, studiert es sich ganz anders, nein, dort BIN ich ganz anders. Ein eindrucksvolles, verziertes Gebäude regt Geist und Kreativität ganz anders an als ein langweiliger Neubauklotz. Und Kreativität ist genau das, was heutzutage oft die enormen Vorsprünge vor anderen Unternehmen ausmacht.

Diese Gliederung ist lediglich ein Angebot, ich empfehle keine allzu dogmatischen Unterteilungen. Gerade das Teilen von Bereichen, verbunden mit dementsprechender isolierter Forschung, Lehre und Anwendung erweist sich in der Praxis oft als nicht zielführend, denn was sich in der Forschung isolieren lässt, kann einem in der Praxis unverhofft in die Quere kommen – und oft genug tut es das auch.

Ein Beispiel: das Thema „Employer Branding“, also die Etablierung eines Unternehmens als Arbeitgebermarke. Die Art, wie ein Unternehmen für seine Produkte wirbt (und auch seine Zielgruppe), beeinflusst maßgeblich seine Außenwahrnehmung, und diese beeinflusst wiederum die Wahrnehmung eines Unternehmens in Bezug auf die Frage, ob man dort arbeiten will.

Z.B. würde ich, was die Arbeitsbedingungen angeht, gerne für Google arbeiten, und auch ihre Arbeit im Netz ist wirklich großartig, ebenso wie ihr Forschungsengagement. Ich mag vor allem die humorvolle Art dort, die sich z.B. in der (äußerst seltenen) Youtube-Fehlermeldung zeigt, welche einem versichert, dass bereits ein Team von „highly trained monkeys“ dabei sei, das Problem zu lösen.

Aber die Tatsache, dass niemand so richtig weiß, was mit den Daten passiert und dass auf kritische Bemerkungen in einer Doku von Seiten Googles nur die Antwort „Ich sehe das nicht so“ kam, ohne weitere Erklärung, macht mir den Laden gehörig suspekt. Da sind mir Verdienstmöglichkeiten usw. egal, mein Gewissen ist nicht käuflich. (und inzwischen wissen wir ja ohnehin, wo die Daten landen…an dieser Stelle möchte ich die NSA ganz herlich grüßen!)

Insofern spielen auch getrennt erscheinende Bereiche in der Wirtschaftspsychologie früher oder später in ihrer Verbindung eine Rolle. Um beim Employer Branding zu bleiben: ich kann die coolste Werbung schalten, die beste Marketing-Strategie für den Arbeitsmarkt haben und noch so oft versichern, wie dringend ich Top-Leute brauche und wie gut ich sie behandle – wenn ich meine Versprechen nicht einhalte (und um das zu tun, werden A- und O-Psychologen hilfreich sein), werden die ganzen Top-Leute nicht bleiben – vielleicht nichteinmal zum Bewerbungsgespräch, wie im Falle des Autors Bernhard Moestl, für den sich ein Job erledigt hatte, weil man ihm zwar Anfahrt und Hotel bezahlte, aber letzteres ausdrücklich ohne Frühstück buchte. Klingt nach einer Kleinigkeit? In genau diesen Dingen spiegelt sich eine Unternehmenskultur. Weil genau diese zusammenhängende, ganzheitliche Betrachtungsweise das beste Tor zum Erfolg ist, sowohl materiell als auch immateriell, werde ich im 2. Teil etwas weiter auf die Methoden der Wirtschaftspsychologie eingehen.

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Über elassius

Ich bin ein "Endzwanziger" und habe Wirtschaftspsychologie an der Business School Berlin-Potsdam studiert. Die Themen, die mich im Leben besonders beschäftigen, haben stets mit dem "Dazwischen" zu tun, mit dem Erkunden von Grenzen und dem Verbinden von (vermeintlichen) Gegensätzen. In meiner Ausrichtung als Wirtschaftspsychologe spielt zum einen die Morphologische Psychologie eine Rolle, sowie die Systemtheorie. Beide Ansätze führen zu einer Haltung, in der der Berater eher Begleiter als Instrukteur ist - vor allem, weil Letzteres ineffektiv ist. Kernthemen meiner persönlichen Ausrichtung sind v.a. Organisationspsychologie und Führung sowie Coaching. Darüber hinaus beschäftige ich mich viel mit allerlei anderen Themen, v.a. Geschichte, asiatische Philosophie und Kriegskunst, Spiritualität, Musik und vielem mehr.
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