Psycho-Logik

Hallo Reisende,

gerade ist mir im Dialog mit einem Freund etwas wirklich merkwürdiges – des Merkens würdiges – aufgefallen. Diese Erfahrung veranschaulicht ganz gut, welche Prozesse in unserem Innern ablaufen, in diesem Fall sogar in Bezug auf ein Produkt. Die Morphologie geht davon aus, dass wir Produkte nutzen, um sog. „Schließungstendenzen“ zu befriedigen – wir möchten ein Produkt nutzen, um einen Handlungskreislauf zuschließen, bzw. ein inneres „Problem“ (im weitesten Sinne) zu bewältigen.

In meinem Fall begab es sich, dass ich nach langer Zeit das Sudoku-Spiel auf meinem Handy (wieder-?) entdeckte, und seitdem sehr exzessiv Sudoku spiele.
Meine Lebenssituation sieht so aus, dass ich einen Haufen loser oder einigermaßen zusammenhängender Fragmente vor mir habe, und sich in vielen Belangen viele Möglichkeiten bieten, um diese zu bewältigen, ich allerdings nur bedingt einordnen kann, was davon jetzt in mein Leben passt und was nicht. Es geht nicht einfach um das, was ich tue, sondern vor allem dadurch, was ich werde durch das, was ich tue.

In diesem Sinn ist Sudoku ein perfektes Produkt, um meinen Handlungskreislauf, die Dinge zu ordnen und in ein stimmiges Bild zu bringen, zu schließen. Das geschieht mehr oder minder Ersatzweise, ein Sudoku-Spiel ist wesentlich schneller gelöst, als die Suche nach einer passenden Wohnung oder einem passenden Job. „Mehr oder minder“, weil es nicht bedeutet, dass ich vollkommen Ersatzweise Sudoku spiele, aber hier habe ich ein Ergebnis, was ich in meiner Lebenssituation noch nicht so recht habe.

Das bedeutet nicht, dass andere Menschen nicht andere Beweggründe haben können. Allerdings ist das benannte Produkt für Menschen in meiner Situation ein Angebot zur Problemlösung. Ebenso könnte es vielfältige andere Beweggründe geben, um Sudoku zu spielen.

Hätte man mich vor ein paar Tagen nach dem Grund dafür gefragt, Sudoku zu spielen, hätte ich Dinge gesagt wie „es macht mir Spaß“ oder „es trainiert den Geist/die Logik“ etc. Das sind zwar alles gute Gründe, um Sudoku zu spielen, aber es sind nicht meine ursprünglichen Beweggründe.
Wer ein Haus bauen will, braucht – um die Begrifflichkeit beizubehalten – auch einen guten Grund, auf dem er baut. Aber die Tatsache, dass er einen geeigneten Baugrund gefunden hat, ist nicht das Motiv dafür, ein Haus zu bauen.

Unsere eigenen Beweggründe liegen weit tiefer, und mit dieser kleinen Selbstanalyse hoffe ich, Euch einen kleinen Eindruck verschafft zu haben, wie das Seelische (in Bezug auf ein Produkt) funktioniert.

[Edit] Jetzt, wo ich eine Weile über diese Erkenntnis nachgedacht habe, habe ich keine Lust mehr auf Sudoku. Es ist, als wollte ich mich selbst nicht mehr austricksen.^^‘ Egal, laut einer Studie verbessert das häufige Spielen von Sudoku nur die Fähigkeit für dieses Spiel, nicht aber die des logischen Denkens im Allgemeinen.

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Über elassius

Ich bin ein "Endzwanziger" und habe Wirtschaftspsychologie an der Business School Berlin-Potsdam studiert. Die Themen, die mich im Leben besonders beschäftigen, haben stets mit dem "Dazwischen" zu tun, mit dem Erkunden von Grenzen und dem Verbinden von (vermeintlichen) Gegensätzen. In meiner Ausrichtung als Wirtschaftspsychologe spielt zum einen die Morphologische Psychologie eine Rolle, sowie die Systemtheorie. Beide Ansätze führen zu einer Haltung, in der der Berater eher Begleiter als Instrukteur ist - vor allem, weil Letzteres ineffektiv ist. Kernthemen meiner persönlichen Ausrichtung sind v.a. Organisationspsychologie und Führung sowie Coaching. Darüber hinaus beschäftige ich mich viel mit allerlei anderen Themen, v.a. Geschichte, asiatische Philosophie und Kriegskunst, Spiritualität, Musik und vielem mehr.
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