Was wir (für) wahr(-)nehmen

Hallo Reisende,heute hatte ich einen kleinen Konflikt mit einer Freundin, mit der ich gerade die Konflikte sehr schätze. Wenngleich sie auch sehr anstrengend und in meinen Augen oft unnötig sind, so bin ich doch sehr dankbar dafür, dass diese Person und die Konfliktthemen mein Leben bereichern.

An einem bestimmten Punkt heute stieg ich allerdings aus und meinte, ich sei nicht in der Stimmung, um als Projektionsfläche zu dienen. Ich bin mir nicht mehr sicher, ob das so berechtigt war oder nicht, aber meine letzten Worte in der Sache waren zugleich eine zentrale Erkenntnis: wenn jemand in einer Diskussion darüber, wie etwas bei ihm ankommt, schreibt, als sei es eine „objektive“ Wirklichkeit, also im Stile von „Du sagst das immer auf die und die Art“, so kann man vom anderen nicht sehr viel Kooperationsbereitschaft erwarten. Das klingt zunächst vielleicht banal und für einige Menschen eher nach Semantik, aber es beinhaltet einen zentralen Punkt: wenn wir sagen, dass etwas definitiv so oder so sei, so erheben wir den Anspruch auf Allwissenheit, setzen uns in eine höhere Position und sagen dem anderen „Du bist falsch“ oder „Du machst etwas falsch“. Jetzt kann der andere entweder abwehren, oder, wie in meinem Fall, einfach nicht darauf reagieren. Letzteres bedeutet, dass das Gespräch beendet ist, weil zwei Menschen hier buchstäblich in einer anderen Welt nehmen. In meinem Fall konnte ich mich einfach nicht mit dem Sachverhalt identifizieren, der mir vorgeworfen wurde. Somit kann ich den Angriff nur ins Leere laufen lassen, und die andere Person ist aufgrund mangelnder Resonanz frustriert, fühlt sich nicht ernst genommen.

Alternativ kann sie aber auch sagen, dass sie bestimmte Dinge, die man sagt bzw. wie man sie sagt, z.B. offensiv oder herablassend wahrnimmt. In diesem Fall können beide, wenn der Gegenüber zumindest feinfühlig und bewusst genug agiert, anfangen, die Sache konstruktiv anzugehen. Über Wahrnehmung zu sprechen, ist letztendlich eine Einladung dazu, gemeinsam einen Sachverhalt zu erforschen. Am Ende könnte in diesem Fall durchaus herauskommen, dass meine Art der Kommunikation verbesserungswürdig ist, oder die andere Person lernt, mich und meine Art besser zu verstehen. Oft gelangen sogar beide zu nützlichen Erkenntnissen über sich und den anderen.

Somit bin ich genannter Freundin mal wieder für eine Erkenntnis mehr dankbar – und für die Inspiration zu diesem Artikel. 🙂

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Über elassius

Ich bin ein "Endzwanziger" und habe Wirtschaftspsychologie an der Business School Berlin-Potsdam studiert. Die Themen, die mich im Leben besonders beschäftigen, haben stets mit dem "Dazwischen" zu tun, mit dem Erkunden von Grenzen und dem Verbinden von (vermeintlichen) Gegensätzen. In meiner Ausrichtung als Wirtschaftspsychologe spielt zum einen die Morphologische Psychologie eine Rolle, sowie die Systemtheorie. Beide Ansätze führen zu einer Haltung, in der der Berater eher Begleiter als Instrukteur ist - vor allem, weil Letzteres ineffektiv ist. Kernthemen meiner persönlichen Ausrichtung sind v.a. Organisationspsychologie und Führung sowie Coaching. Darüber hinaus beschäftige ich mich viel mit allerlei anderen Themen, v.a. Geschichte, asiatische Philosophie und Kriegskunst, Spiritualität, Musik und vielem mehr.
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