Britische Kuriositäten (1)

Hallo zusammen,

heute ist ein wolkiger Tag hier in Glastonbury, und das Schreibfieber hat mich gepackt. Der richtige Moment also, um einen Artikel zu schreiben, der mir schon seit meiner Ankunft im Kopf herum schwebt.

Wenn Kulturen aufeinandertreffen, wird es spannend. Genau, es entsteht Spannung. In diesem Fall habe ich eher von positiver Spannung zu berichten. Die Rede ist von nationalen Eigenheiten, die nicht unangenehm, sondern einfach kurios und interessant sind. So einiges davon fällt einem sofort auf, wenn man (zumindest als Deutscher) hierher und in die Hotels und Pensionen kommt:

Gleich im ersten B&B (Bed&Breakfast) bekam ich einen Lachanfall, weil ich im Badezimmer vorfand, was neulich ein Bild im Netz in seiner Absurdität veranschaulichte: links ein Wasserhahn für warmes Wasser, rechts ein Wasserhahn für kaltes Wasser. Die linke Hand verbrüht, die rechte kühlt aus. Das überstehen nur Statistiker, denn im Durchschnitt haben diese dann zwei warme Hände.
Als ich das letzte Mal hier war, war ich in einem B&B, was einen normalen Wasserhahn mit Mischbatterie hatte – eine Ausnahme, wie ich jetzt feststellen sollte. Wir, also meine Begleiterin Amber (Name geändert ;)) und ich, haben bis gestern aus verschiedenen Gründen jede Nacht in einem anderen B&B geschlafen, und fast an jedem Waschbecken sind getrennte Wasserhähne für heißes und kaltes Wasser.

Dieses Prinzip steht exemplarisch für den offenbar englischen bzw. britischen Hang, viele Kleinigkeiten des Alltags möglichst unpraktisch und umständlich, aber nicht wirklich behindernd zu lösen. Irgendwie muss ich dabei immer schmunzeln, da ich inzwischen 17 oder 18 Länder besucht habe, aber in noch keinem so viele dieser Alltagskuriositäten beobachtet habe.

Ein weiteres Beispiel: die Türklinken: sie sind so weit unten, dass ich trotz meiner langen Gliedmaßen ein stück nach unten greifen muss, um sie zu erreichen, obwohl ich mit vllt. 1,83m nicht überdurchschnittlich groß bin, und auch kleinere Personen bequem an die Klinke kämen, wenn sie etwas höher wären. Wenn man die Klinke dann erreicht, stellt man fest, dass man sie in der Regel besonders tief hinunterdrücken muss, ehe die Tür sich öffnet, weshalb man noch tiefer hinunter greifen muss.

Kurios war auch das Frühstück im „George and Pilgrim“-Hotel, dem ältesten Gebäude in Glastonbury. Beim Frühstück stand keinerlei Brot o.ä. auf dem Buffet-Tisch, nur Butter, Marmelade, Saft, Besteck etc., und für Brot/Toast nahm ein Kellner die Bestellung auf. Es dauerte auch 10-15min, ehe die paar Toastscheiben fertig waren. Auf der anderen Seite war der Kellner so unglaublich höflich – er sprach mich immer mit „Sir“ an – dass ich mir wie ein sehr gehobener Gast vorkam. Ich kann mich nicht daran erinnern, einen solchen Umgang erlebt zu haben, weder auf den Reisen in meiner Kindheit, noch daheim. Außerdem hatte der Kellner stets ein Auge auf die Gäste und ihre Versorgung – als Gast bleibt einem da einfach nur übrig, zu genießen und sich wohl zu fühlen. Ein solcher Umgang lässt auch einzelne Unwegsamkeiten aus dem Gedächtnis verschwinden. Ob es diese im George Pilgrim überhaupt gab, weiß ich allerdings nicht mehr… 😉
Interessant ist: ohne diese kleine „Unwegsamkeit“, dass man z.B. Brot bestellen muss (es kostet aber nichts extra), wäre es nicht Möglich, die Stärke dieses außergewöhnlichen Services dermaßen auszuspielen. Ein kluger Zug. 😉

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Über elassius

Ich bin ein "Endzwanziger" und habe Wirtschaftspsychologie an der Business School Berlin-Potsdam studiert. Die Themen, die mich im Leben besonders beschäftigen, haben stets mit dem "Dazwischen" zu tun, mit dem Erkunden von Grenzen und dem Verbinden von (vermeintlichen) Gegensätzen. In meiner Ausrichtung als Wirtschaftspsychologe spielt zum einen die Morphologische Psychologie eine Rolle, sowie die Systemtheorie. Beide Ansätze führen zu einer Haltung, in der der Berater eher Begleiter als Instrukteur ist - vor allem, weil Letzteres ineffektiv ist. Kernthemen meiner persönlichen Ausrichtung sind v.a. Organisationspsychologie und Führung sowie Coaching. Darüber hinaus beschäftige ich mich viel mit allerlei anderen Themen, v.a. Geschichte, asiatische Philosophie und Kriegskunst, Spiritualität, Musik und vielem mehr.
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