„Anleitung zur artgerechten Menschenhaltung im Unternehmen“

Hallo zusammen,
gestern habe ich ein wundervolles Buch zu Ende gelesen: Die „Anleitung zur artgerechten Menschenhaltung im Unternehmen“ von (Prof.Dr.Dr.) Wolfgang Berger, erschienen im Kamphausen-Verlag im September 2012. Zu Ende gelesen? Na gut, das letzte Kapitel fehlt, aber dazu kommen wir später. 😉

Ein paar Worte zum Autor: Wolfgang Berger ist promovierter Philosoph und Ökonom und war jahrelang Professor für Betriebswirtschaftslehre, sowie Manager in verschiedenen leitenden Positionen auf fast allen Kontinenten. Er gründete 1997 das Business Reframing Institut für Personalentwicklung, welches seit Anfang 2012 in „Ohm – Die Resonanzschmiede“ umstrukturiert wurde.

Wenn man bereits das erste Buch des Autors „Erfolg durch Resonanz“ (früher „Business Reframing“) kennt, so wird man ein paar alte Bekannte treffen, was Anekdoten aus der Geschichte und dem Leben des Autors angeht. Wahrlich, das Buch ist eine richtige Fundgrube für Zitate, Anekdoten, Allgemeinwissen und Buchempfehlungen! So manches davon hat mich sehr berührt, und das, obwohl ich bereits mit der Grundhaltung des Autors vertraut bin.

Hinsichtlich der Einordnung würde ich es als qualitativ-philosophischen Ansatz ansehen – und vor allem ganzheitlich. In antiken Zeiten waren die Philosophen gleichzeitig die Wissenschaftler, es gab nicht wirklich eine Trennlinie in diesen Dingen. Sie erschlossen sich viele Dinge über Analogien, vor allem in China. Mit der Wissenschaft, wie sie den Prinzipien von Descartes folgt, sind wir hinsichtlich der Forschung zu immer unterschiedlicheren Ansätzen gekommen, und nicht selten scheinen Wissenschaftler die ganze Welt – zumindest aber einen bestimmten Ausschnitt – anhand ihrer Theorie erklären zu wollen. Es ist eine Zeit der Spezialisten, welche (um es mit den Worten des Autors in seinem ersten Buch zu sagen) die siebzehnte dezimalstelle berechnen und das Wesentliche nicht sehen. Alles wird in seine Einzelteile zerlegt, man versucht, den Menschen durch Chemie und seine Seele durch sein Gehirn zu erklären.

Berger ist hingegen ist einer der Vorreiter, welche es schaffen, all diese Teilmengen zu einem stimmigen Gesamtbild zusammenzufügen – und das zum Nutzen des Menschen, noch dazu in seinem Arbeitsalltag.
Wir sind offenbar wieder an dem Punkt angekommen, an dem uns die Analogien des Lebens durch die detaillierte Erforschung seiner Teilmengen wieder förmlich entgegenzuspringen scheinen.

Ich hatte schnell vor, das Buch weiterzuverleihen, allerdings gibt es so einige Seiten, die darum bitten, beschrieben zu werden. Da die Fragen hierzu stark in den Coaching-Kontext gehen, denke ich, ich belasse es bei Weiterempfehlungen. 😉 Es sind klare, eindeutige Fragen, welche eindeutige Antworten zu Tage fördern, welche den Leser zu der Frage führen, wer er ist und wo er hin will. Da dieser Prozess bei mir bereits sehr fortgeschritten, im aktuellen Kontext meines Lebens sogar an seinem besten Punkt ist, war dieser Teil „lediglich“ eine großartige Bereicherung.

Der Autor gibt viele gute Gründe, um eine offene, humane und mutige Unternehmenskultur aufzubauen. Hinsichtlich des Umstandes, dass er als Unternehmensberater mit seinem Team seit 15 Jahren etliche Unternehmen zu durchschlagenden Erfolgen führt, ist er sehr bescheiden: er verzichtet auf Selbstdarstellung oder die Plazierung seiner Fallbeispiele, obwohl er großen Grund hat, darauf stolz zu sein. Er beschreibt, wie es uns möglich ist, in unserem Unternehmen Genialität und ein großartiges Miteinander zu schaffen, und gerade auf dieser Basis durchschlagende Erfolge zu erzielen. Und er vermittelt, warum Firmen, welche sich gegen die „artgerechte Menschenhaltung“ entscheiden, letztlich untergehen werden.

Ich möchte ich gar nicht zu viele Teilmengen herausnehmen, da das für das Bild einer ganzheitlichen Philosophie nicht unbedingt förderlich ist. Aufgreifen möchte ich nur, dass ich mich sehr darüber freue, das Thema „Work-Life-Balance“ in der Weise publizistisch aufgegriffen zu sehen, in der ich darüber denke: der Begriff ist Nonsense! Warum? Na gut, für einige ist er nicht nonsense, nämlich für jene, die darin denken. Ob dieser Ansatz aber artgerecht für uns Menschen ist, bleibt fraglich, denn der Begriff impliziert, dass das Leben und die Arbeit zwei verschiedene Dinge zu sein haben. Solange man dies als eine bipolare Angelegenheit sieht – entweder man arbeitet, oder man lebt – kann Arbeit kein wahrer Teil des Lebens und seiner Erfüllung sein. Insofern gibt’s ein großes „Dankeschön“ an den Autor.

Zwei Kritikpunkte habe ich allerdings anzubringen: manche Dinge sind für meinen Geschmack ein wenig vorauseilend geschrieben, als Leser ist es manchmal nicht leicht, gedanklich zu folgen, wenn man nicht bereits mit der Philosophie oder ihren Grundlagen vertraut ist.
Der andere ist, dass der Autor, wie bereits oben angedeutet, auf seine wunderbaren und ausführlichen Fallbeispiele verzichtet. In seinem ersten Buch gab es ein paar, und auf der alten Website, als das Konzept noch unter dem Namen „Business Reframing“ bekannt war, fanden sich eine ganze Reihe ausführlicher Fallbeispiele. Ob das für andere relevant ist, weiß ich nicht, ich kann nur sagen, dass ich diese Beispiele immer sehr inspirierend fand und ich sie immer sehr geliebt habe. Eines davon war schließlich der Auslöser dafür, warum ich jetzt das studiere, was ich studiere: es war wie eine Saat, die auf in höchstem Maße fruchtbaren Boden fiel.

Eine Episode allerdings, die davon handelt, wie eine bestimmte Saat, auf der dieses Buch letztlich beruht, den Weg zu ihrem Autor fand, um sich später zu entfalten, hat mir fast die Tränen in die Augen getrieben – denn ich wusste im Moment des Lesens genau, wie sich das anfühlt!

Abschließende Einschätzung: Ich empfehle dieses Buch jedem Menschen, der in irgendeiner Weise arbeiten kann und will. Es vermittelt mehr als nur das, was der Titel verspricht, sondern es vermittelt ein Grundgefühl, welches uns in einer Welt der Umstrukturierungen als Kompass und Fundament für ein friedvolles Miteinander dient.

Das letzte Kapitel habe ich mir für Krisenzeiten aufgespart, denn es Beginnt mit den Worten: „Werden Sie jetzt den Weg gehen, den ich im letzten Kapitel vor Ihnen ausgebreitet habe? Wenn ja: dann brauchen Sie nicht weiterzulesen.“

😉

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Über elassius

Ich bin ein "Endzwanziger" und habe Wirtschaftspsychologie an der Business School Berlin-Potsdam studiert. Die Themen, die mich im Leben besonders beschäftigen, haben stets mit dem "Dazwischen" zu tun, mit dem Erkunden von Grenzen und dem Verbinden von (vermeintlichen) Gegensätzen. In meiner Ausrichtung als Wirtschaftspsychologe spielt zum einen die Morphologische Psychologie eine Rolle, sowie die Systemtheorie. Beide Ansätze führen zu einer Haltung, in der der Berater eher Begleiter als Instrukteur ist - vor allem, weil Letzteres ineffektiv ist. Kernthemen meiner persönlichen Ausrichtung sind v.a. Organisationspsychologie und Führung sowie Coaching. Darüber hinaus beschäftige ich mich viel mit allerlei anderen Themen, v.a. Geschichte, asiatische Philosophie und Kriegskunst, Spiritualität, Musik und vielem mehr.
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