Glastonbury – Ein Reisebericht

Hallo zusammen,

heute schreibe einen Reisebericht – und ich wünschte, es wäre nicht nur das, sondern auch ein Umzugsbericht!

Nun habe ich die Pointe vorweg genommen, aber sei’s drum. Ich war Anfang des Monats im gesegneten Glastonbury, dem Ort, von dem es heißt, vorher wäre dort das mythische Avalon gewesen.

Eine Freundin ließ verlauten, dass sie vorhabe, Anfang September mit einer Freundin wieder einmal dorthin zu fliegen, und ich schloss mich freudig an – vor allem, weil sie meine beste Freundin ist und ich sie das erste Mal in Real Life zu sehen bekommen würde (wir wohnen sehr weit voneinander entfernt). Wir schreiben uns bereits seit einigen Jahren sehr viel und intensiv, von daher war dieses Treffen ohnehin überfällig, und ihre Gesellschaft hat meine kurze Reise auch unabhängig vom Ort zu etwas ganz Besonderem gemacht.
Bisher waren erste Begegnungen mit mehr oder weniger langem Vorlauf in Form einer Internet-Freundschaft bei mir meist nicht so gut verlaufen, doch bei ihr dachte ich nie über diesen sonst problematischen Umstand nach. Unsere Begegnung ist ein typisches Beispiel für jene Art von Begegnung, bei der man sich auf Anhieb vertraut vorkommt (und manche von Euch können sich sicher denken, woher das kommt ;)).

Somit war die gute Reise auch unabhängig vom Reiseziel im Vorhinein gesichert (und wir Deutschen lieben ja bekanntlich die Sicherheit ;)). Ich trat die Reise in Bezug auf die Örtlichkeit mit gemischten Gefühlen an, da durch die Euphorie meiner Begleiterin eine gewisse Erwartungshaltung aufgebaut wurde, denn sie ließ oft und deutlich verlauten, dass dieser Ort etwas ganz besonderes sei.
Wenn man ein wenig sensitiv ist und z.B. von Schweden oder Österreich nach Deutschland hineinfährt, ist schon ein extremer Unterschied spürbar, und ich habe schon ein paar besondere Orte erlebt, doch diese Euphorie für einen Ort war etwas, womit ich nur schwer etwas anzufangen wusste.

Ich kam in Bristol an – und fühlte mich wie zu Hause. Dieses Gefühl war da, sobald ich aus dem Flugzeug stieg und die Luft genoss. Sie ist so anders dort, sie wirkt weniger dicht (in Anbetracht des berliner Smogs nicht gerade eine Überraschung), was mir das Gefühl gab, dass mehr Platz für mich und mein Selbst ist.

Nachdem wir uns sehr schnell am überschaubaren Flughafen fanden, fuhren wir mit einem Mietauto nach Glastonbury. Es dauerte nicht lange, da wurde mir ziemlich komisch, als würde um mich herum etwas von mir „umsortiert“; als geriete etwas in mir und um mich in Bewegung, und so angenehm war das gar nicht mal, dort es währte nur kurz in dieser Form. Trotzdem war ich den ganzen Abend noch ziemlich aufgedreht, und sowohl der Besitzerin des Bed&Breakfast (B&B) als auch besagter Freundin war dieses Phänomen bei Neuankömmlingen nur allzu bekannt. Ich erfuhr sogar von einer Person, die sehr schnell wieder abreisen musste, weil das, was dieser Ort in ihr auszulösen schien, zuviel war. Dass seelische Heilung in der Regel (sehr) anstrengend ist, ist ja allgemein bekannt, somit wunderte mich mein Zustand absolut nicht. Trotz allem aber fühlte ich mich rundum wohl, dort, wo ich war. Es war, als würde ich endlich so sein dürfen, wie ich bin – dieser Eindruck sollte sich in den folgenden 3,5 Tagen festigen.

Wir besuchten am ersten Tag nach meiner Ankunft Chalice Well, wo es eine extrem Eisenhaltige Quelle gibt. Meine Freundin traf es mit der Formulierung, das Wasser schmecke, als würde man eine Klinke ablecken, sehr gut, doch beim chronischen Eisenmangel unserer Zivilisation dürfte das nicht das Problem sein. 😉 Die Stellen, wo das Wasser entlang fließt, sind richtig rot, logischerweise, und daher wird die Quelle die „Rote Quelle“ genannt. Es gibt auch die „Weiße Quelle“, welche besonders kalkhaltig ist. Sowohl sie als auch Tor Glastonbury (ein recht bekannter Hügel mit einem Turm darauf) sind Ziele meiner nächsten Reise. Da mir schnell klar war, dass ich hier noch oft sein würde, hatte ich keine Eile damit, bestimmte Orte zu besuchen, sondern genoss einfach die, an denen ich war.

Am zweiten Tag verschlug es uns nach Wales, genauer gesagt, nach Laugharne (gesprochen: „Larn“) und dann nach Swansea, unterwegs hielten wir in Oghmore Castle. Laugharne ist der Wohnort vom Dichter Dylan Thomas gewesen, und in Swansea steht sein Geburtshaus, und beide Orte sind sowohl interessant als auch erholsam. In seinem Geburtshaus, welches ein Museum über Dylan Thomas ist, begegneten wir einer unglaublich energievollen Frau, welche meiner „Reiseführerin“ bereits sehr vertraut war. Nachdem wir uns eine Weile unterhalten und das Haus besichtigt hatten, lag ich eine Weile auf einer Couch im Wohnzimmer, als es schien, als würde mich die Kreativität einhüllen. Ich hatte öfter daran gedacht, eine Geschichte zu schreiben, doch war mir oft nie klar, was ich darin schreiben sollte. An dem Tag und an diesem Ort schien sich alles vor mir auszubreiten, ich musste es nur noch „zu Ende“ denken. Ganz dazu kam es nicht, allerdings nahm die Verbindung zu dieser ganzen Geschichte wieder ab, nachdem wir wieder daheim waren, was wohl bedeutet, dass ich noch einmal dorthin zurückkehren sollte. 😉 Ich könnte sie sicher in Ansätzen wieder rekonstruieren, aber nicht so klar und einfach wie in diesem offenbar mystischen Haus.

Am letzten vollständigen Tag besuchte ich die Glastonbury Abbey, ein riesiges Gebiet mit den Resten einer Abtei, die angeblich die Überreste von Artus und seiner Frau beherbergt. Dies ist bereits laut der Sage recht unwahrscheinlich, und dass man seine Begräbnisstätte (die ja ohnehin Avalon selbst, aber keine Abtei ist), in dem Moment fand, als die Abtei in Geldnöten war, klingt schon ein wenig danach, als wäre Gottes Segen ein wenig „nachgeholfen“ worden, denn nach diesem „Fund“ kam es zu einem nicht endenden Pilgerstrom. 😉

Die Geschäfte in Glastonbury sind sehr auf die Pilger ausgerichtet, auch viel auf den esoterisch-spirituellen, aber auch religiösen Bereich. Interessant ist, dass sogar indische Pilger dorthin finden, es gibt auch einen Laden, der vor allem afrikanische Kunst verkauft und bei den Flyern stehen schonmal jene für neu-heidnische Einrichtungen neben solchen für einen buddhistischen oder auch hinduistischen Schrein/Tempel. Es gibt dort auch einen Tempel für eine heidnische Göttin, welcher ein sehr angenehmer Meditationsort ist und alle 6 Wochen passend zur Phase des Jahres umdekoriert wird. Ob man sich nun auf diesen Glauben fixiert oder nicht, oder wie auch immer man ihn auslegt, der Ort ist in jedem Fall sehr angenehm.

Die Menschen in Glastonbury scheinen alle im Urlaub zu sein: alle Einheimnischen sind stets freundlich und entspannt, sie wirken sehr zufrieden dort. Ein Paar aus London sagte mir, dass es in ihrer Stadt etwas anders zugehen würde (und wie ich aus Berlin weiß, nicht nur dort…). Dort ist etwas, was ich so nicht beschreiben kann, doch erfüllt es die ganze Umgebung. Bei aller Skepsis (die vor allem mit einem sich aufbauenden Erwartungsdruck zusammenhing), musste ich feststellen, dass dieser Ort wirklich etwas ganz Besonderes ist. Dieser Ort verleiht mir Leichtigkeit und es scheint, als würde er jene, die sich zu verändern wünschen, sehr stark dabei unterstützen.

Fazit: es mag unklar sein, *was* damals wirklich dort los war, aber was jetzt dort ist, empfehle ich jedem Menschen, der das Bedürfnis hat, sich zu entwickeln und der seiner Seele zuhören und sie heilen möchte. Und es würde mich nicht wundern, wenn dort *irgendwann* einmal *irgendetwas* war, was diesen Ort zu einem besonderen macht.

Glastonbury wird mir allerdings nicht weglaufen, daher kann ich damit warten, an diesen Ort zu ziehen. *Dass* ich es tun werde, steht für mich fest, und wäre mein Studium nicht weltweit einzigartig, würde ich von Glastonbury aus ein Fernstudium beginnen.

Soviel zu meiner Reise, wer Interesse an B&Bs dort hat, oder anderweitige Informationen über den Ort und die Gegend will, kann mich gerne zu diesem Thema anschreiben.

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Über elassius

Ich bin ein "Endzwanziger" und habe Wirtschaftspsychologie an der Business School Berlin-Potsdam studiert. Die Themen, die mich im Leben besonders beschäftigen, haben stets mit dem "Dazwischen" zu tun, mit dem Erkunden von Grenzen und dem Verbinden von (vermeintlichen) Gegensätzen. In meiner Ausrichtung als Wirtschaftspsychologe spielt zum einen die Morphologische Psychologie eine Rolle, sowie die Systemtheorie. Beide Ansätze führen zu einer Haltung, in der der Berater eher Begleiter als Instrukteur ist - vor allem, weil Letzteres ineffektiv ist. Kernthemen meiner persönlichen Ausrichtung sind v.a. Organisationspsychologie und Führung sowie Coaching. Darüber hinaus beschäftige ich mich viel mit allerlei anderen Themen, v.a. Geschichte, asiatische Philosophie und Kriegskunst, Spiritualität, Musik und vielem mehr.
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