Das Leid der Flexibilität

Gerade begegnet mit etwas, was mich über das Thema der Flexibilität in Bezug auf die Arbeit nachdenken lässt:

Flexibilität wird immer und überall von jedem Arbeitgeber verlangt. Wie flexibel hätten Sie es denn gerne? Wie eine Fahne im Wind? Die kann ständig in jede erdenkliche Richtung gehen, aus der der Wind nur kommen kann. Wenn gar kein Wind da ist, keine Kraft, die sie antreibt, ist außerdem ihre Funktion äußerst eingeschränkt. In diesen zwei Parametern ist sie zuverlässig. Aber auch in nichts anderem.

Unter Flexibilität leidet, so ist der Gedanke, der mir gerade kommt, die Zuverlässigkeit. Sicher nicht zwingend, denn schon Lao Tse wusste, dass der erleuchtete Meister wie Wasser ist, welches sich ständig perfekt anpasst. Vermutlich ist ein erleuchteter Meister sehr zuverlässig. Zumindest glaube ich, dass der Weg zur Erleuchtung sowas mit sich bringt.
Ich erlaube mir hier die Anmaßung, zu sagen, dass wir um uns herum nur äußerst wenige erleuchtete Menschen haben; so wenige, dass sie für eine Diskussion um Alltagsthemen nicht ins Gewicht fallen und eher ausnahmsweise berücksichtigt werden sollten.

Es ist doch so: je mehr wir feste Zusagen geben, desto schwerer fällt die Flexibilität. Je flexibler wir uns machen, desto weniger feste Zusagen können wir geben, und desto weniger werden andere Menschen davon ausgehen, dass wir zuverlässig sind. Dies wiederum trübt die gemeinsame Erfahrung mit anderen Menschen. Kann ein Arbeitgeber z.B. nicht die feste Struktur seiner Mitarbeiter respektieren und diktiert ihnen ohne deren Mitsprache ihre Arbeitszeiten, müssen feste Strukturen fallen. Also genau das, was den Menschen ihren Halt gibt und dafür sorgt, dass sie gute Leistung bringen, und somit schneidet er sich ins eigene Fleisch, wenn ein Chef, der nuneinmal für das Wohlergehen seiner Mitarbeiter verwantwortlich ist, ein zu hohes Maß an Flexibilität verlangt. Er verlangt somit, dass die Menschen ihre Fähigkeit aufgeben, ihr Leben zu planen, Sicherheit zu haben. Er verlangt also die Aufgabe eines Sicherheitsgefühls. Was bleibt übrig? Unsicherheit. Sind unsichere Menschen produktiv?

Die Folge ist also (man schaue ich den Artikel über das 7-Tage-Wochenende an), dass es am sinnvollsten ist, den eigenen Angestellten ihre Freiheiten bei der Schaffung einer Struktur zu geben, bzw. die, die man selbst vorgibt, nicht allzu oft zu ändern. Auch dort, wo hohe Flexibilität erforderlich ist, lassen sich Möglichkeiten schaffen, um jene auf Abruf zu haben, denen kurzfristige Änderungen nichts ausmachen, um die Leistung derer zu bewahren, die z.B. Familie haben, wo ein fester Ablauf notwendig ist.

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Über elassius

Ich bin ein "Endzwanziger" und habe Wirtschaftspsychologie an der Business School Berlin-Potsdam studiert. Die Themen, die mich im Leben besonders beschäftigen, haben stets mit dem "Dazwischen" zu tun, mit dem Erkunden von Grenzen und dem Verbinden von (vermeintlichen) Gegensätzen. In meiner Ausrichtung als Wirtschaftspsychologe spielt zum einen die Morphologische Psychologie eine Rolle, sowie die Systemtheorie. Beide Ansätze führen zu einer Haltung, in der der Berater eher Begleiter als Instrukteur ist - vor allem, weil Letzteres ineffektiv ist. Kernthemen meiner persönlichen Ausrichtung sind v.a. Organisationspsychologie und Führung sowie Coaching. Darüber hinaus beschäftige ich mich viel mit allerlei anderen Themen, v.a. Geschichte, asiatische Philosophie und Kriegskunst, Spiritualität, Musik und vielem mehr.
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