Erfahrungsbericht: Heldenmarkt

So, nun bin ich wieder daheim in den eigenen vier Wänden lege meine Erlebnisse beim Heldenmarkt dar, den ich mit ein paar Freunden besuchte:

auf zwei Etagen waren eine ganze Reihe von Ständen vorhanden, welche sich nur selten in der Produktart überschnitten. Die Atmosphäre war rundherum angenehm und entspannt, alle schienen Spaß und gefallen an der Messe zu finden. Da das Produkt „Bio“ ein großer Teil der Nachhaltigkeit ist, waren dementsprechend viele Stände da, die sich auf das Essen beziehen.

Neben der Bio-Company waren z.B. 3 Imker und 2 Bäcker vertreten. Bei einem wurde gekostet und ich muss sagen: noch nie habe ich so gutes Brot gegessen! Ich fand den Begriff „Geschmackserlebnis“ aus der Marketingsprache immer sehr irreführend, da ich doch nicht irgendwas esse und mir danach denke „wow, DAS war jetzt aber mal ein Erlebnis!“
Nun, hier dachte ich mir genau das! Auf das Brot würde ich nichteinmal etwas rauflegen wollen, da es für sich allein schon unglaublich schmeckt! Ein wichtiger Teil der Backprozedur besteht darin, den Teig lange und bei niedrigen Temperaturen zu backen.

Dann habe ich noch einen Stand gefunden, an dem man sehr exquisite Schokolade erstehen konnte – hellbraun, dunkelbraun und weiß, in verschiedensten, sehr kreativen Formen und Farben. Die Zutaten stammen aus sehr streng kontrolliertem Anbau etc., während sie von jenen, die sie hier verkauften, in ihre Form gebracht wurde. Praktischerweise fahre ich jeden Morgen an dem Laden vorbei – hier wird noch das ein oder andere Mal Geld in den Umlauf gebracht.
An einem anderen Stand gab es sogar vegane Schokolade.

Neben dem Stromanbieter „Lichtblick“ wurden Solarpanels und Bambustastaturen verkauft, sowie vieles mehr, was ich aufgrund des dichten Gedränges und meines geringen Konsumbedürfnis‘ nicht weiter in Augenschein genommen habe. Allerdings sind mir noch Eimer mit bunten, nach Puffreis aussehenden Zylindern aufgefallen – Kinderspielzeug. Man kann sie anfeuchten, weshalb man sie durch die darin enthaltene Stärke zusammenkleben und daraus etwas bauen kann.

Außerdem vertreten war auch die GLS-Bank, welche auf totale Transparenz in Sachen Zahlen – und natürlich nachhaltige Investitionen – setzt. Kredite werden vor für gemeinnützige Projekte und auch für regionale, Nachhaltig orientierte Produkthersteller vergeben. Auf Spekulationen wird total verzichtet. Die Bank sieht sich in erster Linie als Vermittler zwischen Geldbesitzern und Geldsuchern, es werden aber auch nachhaltige Investment-Fonds betrieben.
Die Zahlen werden regelmäßig in eigens ausgegebenen Heften veröffentlicht; ob die Zahlen auch online abrufbar sind, konnte ich zunächst nicht sehen.

Im Bereich Finanzen traf ich auch auf einen gewissen Herrn Holm Kranzusch, seines Zeichens Fachberater für nachhaltiges Investment. Ein wenig wollten wir ihn natürlich auf die Probe stellen, denn ein guter Investmentberater zeichnet sich dadurch aus, das Geldsystem zu verstehen. Da der Mann sich bereits mit Dirk Müller alias „Mister Dax“ befasst hat, welche ja immer wieder die Dysfunktion unseres Geldsystems erklärt, war die Sache schnell geklärt. Zu ausufernd lässt sich natürlich mit Leuten, die dort gerade ihren Job machen, nicht reden, aber einen kurzen Überblick haben wir bekommen. So lag z.B. eine Liste mit Banken aus, die Nachhaltig wirtschaften bzw. in gemeinnützige Projekte investieren, nebst viel anderem Infomaterial, durch das ich mich im Laufe der nächsten Tage arbeite. Wer eine Kontaktadresse haben möchte, braucht mich einfach nur zu kontaktieren. Übrigens gibt es auch eine grüne Krankenkasse. 🙂

Auf dem oberen Stockwerk fand sich zudem ein kleiner, halbwegs abgetrennter Bereich, in welchem Vorträge stattfanden. Kleines Manko: man bekommt dort nicht allzu viel von dem mit, was dort vorgetragen wird, denn vorne und hinten laufen die Leute im Rundgang.
Ein abgetrennter Bereich in einer der hinteren Ecken wäre sinnvoller gewesen. So viel habe ich also nicht von den Vorträgen zu erzählen. Für einen ausgefallenen Vortrag musste der Veranstalter mit dem einspringen, was er gerade bei hatte. Ich weiß nicht, wie viele Biotechnologen außer einer Freundin von mir dort herumsaßen, aber ich kann mir gut vorstellen, dass sie dort quasi einen Privatvortrag bekam, denn das ganze war Universitätsniveau.

Mit von der Partie war auch ein Verein, explizit „gegen“ den ADAC, der sich für Alternativen zum Autofahren oder aber auch für Car Sharing stark macht. An sich war das recht interessant, aber wie das so ist: wenn wir unter dem Aspekt „wir brauchen unbedingt Mitglieder“ oder mit Aktivitätsbeschreibungen á la „wir müssen Druck machen“ etc. agitiert werden, kommen wir uns wie Goldesel vor, die in eine ineffizient geführte Struktur investieren sollen. Druck auszuüben ist nuneinmal ineffizient – das war am Gespräch mit der zuständigen Dame sehr gut zu erkennen, und am Ergebnis erst recht.

Des Weiteren konnten wir die globalisierte Produktionskette anhand einer Trekking-Jacke betrachten. Abgesehen von den 1700 Tonnen CO2, die der Transport verursacht, wird dort lediglich Schutzkleidung hergestellt, aber nicht den Arbeitern zur Verfügung gestellt.
Außerdem war ein Rucksack von „The North Face“ zu sehen, bei dem mir ein paar Zahlen hängen geblieben sind, die sich auf den Erlös durch das Erzeugnis beziehen: 32% Markenhersteller, 30% Einzelhandel, 6,4% Transport, 0,6% Lohn. Letzteres hat mich sehr nachdenklich gestimmt – mit so wenig hatte ich dann doch nicht gerechnet. Der Rest des Erlöses entfällt auf Rohmaterial und ein paar andere Faktoren.
Was ich an diesem Stand sehr mochte, war die Tatsache, dass dort nichts gepredigt wurde. Es wurden vollkommen wertfreie Informationen dargelegt. Natürlich wurde nochmal expliziter auf die Arbeitsbedingungen eingegangen, doch das unangenehme Gefühl, was wir dabei bekommen, ist ja nicht auf die Wertung, sondern unser Schuldbewusstsein zurückzuführen.

Zu guter Letzt möchte ich noch von einer Schreinerei berichten, die im Grunewald ihr Sägewerk hat. Dort werden nur heimische Hölzer verwendet; die Forstgebiete unterliegen dabei auch den Prämissen für Nachhaltigkeit. Der Herr, mit dem wir redeten, brachte allerdings auch zur Sprache, dass hier einige Zahlen hin und wieder geschönt werden, was die Zahl der Bäume angeht.
Übrigens kann man sich in dem Sägewerk im Grunewald auch über Baumarten etc. aufklären lassen, denn dort gibt es ein angeschlossenes Info-Zentrum. Man muss lediglich eine Führung beantragen, eine Tel.Nr. dafür habe ich auch auf Anfrage.

Soweit zu meinen Erlebnissen! Ironischerweise las ich am Freitag von einer Psychologin, einer gewissen Nina Mazar, die angeblich herausgefunden hat, dass das Kaufen von „grünen Produkten“ alles Heuchelei ist. Ihre Arbeiten kenne ich noch nicht, jedoch war es spannend, mit diesem Gedanken dorthin zu gehen.
Da ich dort ein sehr entspanntes Gefühl hatte und viele Informationen bekam, kann ich dies nicht bestätigen. Ich habe zwar keine Analysen in der Hand etc., jedoch sprechen die Taten, die mit dem Fokus auf Nachhaltigkeit erfolgen, für sich; das Klientel übrigens auch, die Menschen dort sind anders, als ich es auf Messen gewöhnt bin, besagtes Gefühl auch.

Selbst, wenn die Frau im Ansatz Recht hat: von niemandem wird Märtyrerei oder Masochismus erwartet, jeder will seinen Vorteil an einer Sache sehen, das ist natürlich. Wenn dieser Vorteil materiell ist, ist das normal, wenn er immateriell ist (z.B. ein gutes Gefühl), ist das Heuchelei?

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Über elassius

Ich bin ein "Endzwanziger" und habe Wirtschaftspsychologie an der Business School Berlin-Potsdam studiert. Die Themen, die mich im Leben besonders beschäftigen, haben stets mit dem "Dazwischen" zu tun, mit dem Erkunden von Grenzen und dem Verbinden von (vermeintlichen) Gegensätzen. In meiner Ausrichtung als Wirtschaftspsychologe spielt zum einen die Morphologische Psychologie eine Rolle, sowie die Systemtheorie. Beide Ansätze führen zu einer Haltung, in der der Berater eher Begleiter als Instrukteur ist - vor allem, weil Letzteres ineffektiv ist. Kernthemen meiner persönlichen Ausrichtung sind v.a. Organisationspsychologie und Führung sowie Coaching. Darüber hinaus beschäftige ich mich viel mit allerlei anderen Themen, v.a. Geschichte, asiatische Philosophie und Kriegskunst, Spiritualität, Musik und vielem mehr.
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3 Antworten zu Erfahrungsbericht: Heldenmarkt

  1. Elvira schreibt:

    Danke für diesen Bericht. Mein Rücken hinderte mich leider daran den Markt zu besuchen. Ich erlaube mir, diesen Artikel in meinem Blog zu verlinken, da es dort einige sehr daran Interessierte gibt!
    Freundliche Grüße,
    Elvira

    • elassius schreibt:

      Freut mich, wenn Du Interesse hast und den Bericht verbreitest. Außerdem machst Du mich jetzt neugierig auf das, was Du in Deinem Blog schreibst, wenn das solch interessierte Menschen anzieht. Wir lesen uns! 🙂

  2. Pingback: Heldenmarkt (leider ohne mich) | Quilt-Traum

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